Weine und Feinkost à la française

"Weintrinker sehen gut aus, sind intelligent, sexy und gesund." (Hugh Johnson)

So läuft der Hase

   Tatort Lorraine: Was heute aus dieser für Weine nicht so bekannten Region kommt, kann sich sehen lassen. Beispiel: Chateau Leleviere

Eigentlich beginnt die Geschichte der Familie Leleviere – was zu Deutsch der Hase bedeutet – in Bezug auf Ihre Bedeutung als Winzer mit einem schlichten „Nein“. Vater Hase sagte nämlich 1971 „Nein“ als er der Kooperative seine Trauben verkaufen sollte – und vinifierte einfach selbst. Seine drei Söhne André, Jean-Marie und Roland schwärmten in der Anlaufphase in die Champagne und Bourgogne aus, um alles über den Weinbau zu lernen. Dann packten sie an und holten das Beste aus den heute 16 Hektar Rebfläche unweit des Naturparks Lorraine, wo einst die Reblaus wütete und man seit dem lieber Mirabellen anbaute als die Weinberge neu anzulegen, weil das mehr Geld brachte. Dass die Lelevieres auch einen Hang zu den Mirabellen haben, dazu später mehr…

 Vielseitge Hasen-Familie

Heute sind drei Lelevieres die Köpfe auf dem Hof, den man mit Fug und Recht als innovativ bezeichnen kann. Die jüngste Hasen-Generation trägt die Namen Vincent und David und mischt ordentlich bei „Les Jeunes Vignerons d’Europe“, den Europäischen Jung-Winzern mit. Die kümmern sich nicht nur um die Produktion von modernen Weinen, sondern auch um deren zeitgemäße Vermarktung. Kein Wunder, dass die Domaine Lelievre im Frühjahr auf Deutschland-Tournee geht. Auf der ProWein in Düsseldorf präsentieren sie, wie der Hase bei jungen Winzern aus Frankreich läuft. Und was war mit den Mirabellen? Auf 5 Hektar wächst der Rohstoff für herrlichste Obstbrände, Aperitifs auf Mirabellenbasis, Säfte und süsse Leckereien, auf die die Lelievres sich ebenfalls höchst innovativ verstehen.

Alter Hase

Mein Kontakt zum Chateau besteht schon länger. Man kennt sich, man schätzt sich und so ist es für mich auch kein Problem, im Einkauf im letzten Jahr einen Euro mehr pro Flasche zu bezahlen. Hagelschauer hatte die Ernte dezimiert und es gelang trotzdem, die Qualität zu halten. Die ist so herrvorragend, dass ich zur Zeit restlos ausverkauft bin! Aber bald fahre ich wieder runter zu David (Foto unten: David (rechts) und ich) und bestelle nach. Besonders zu empfehlen ist der Vin Gris – das Endprodukt ähnelt einem Rosé, wird aber anders hergestellt – eine Spezialität der Côtes de Toul der Region Lorraine, eine ausgesprochen pfiffige Assemblage aus Gamay und Pinot Noir. Und da ja bald Ostern ist: Wie wär´s mit einem frischen, flüssigen „Osterhasen“ aus der Lorraine statt der ewig gleichen Schokolade?